„Ein Elefant!“, schrie Mille lachend. Katia stand im Wohnzimmer und stellte mit ihrer Hand einen Rüssel nach. Lachend fiel sie zu Boden. Auch ich lachte, aber nur äußerlich. Seid der Geschichte mit Martin versuchten Katia und Mille mich jede Minute abzulenken. Katia hatte mir versprochen, sich nie wieder mit Martin zu treffen. Sie waren wirklich wahre Freunde! Doch obwohl wir immer mal wieder lachten, dachte ich immer noch oft an Martin. Ständig hatte ich ein Drücken in der Kehle, wie ein Frosch im Hals. Und auch in meinem Herz fühlte es sich an, als wenn etwas drückte und drückte und drückte. Es war jetzt schon 8 Tage her, als ich erfahren hatte, dass Martin mich mit Katia betrogen hatte. Aber seinen Blick, als ich ihn einfach an der Tür stehen lassen hab und mit Mille weggefahren bin , kann ich noch immer nicht vergessen. Er sah so verdutz aus, so gequält. Na ja, selbst Schuld. Jedes Mal, wenn ich an ihn denke, staut sich in mir eine Art Power. Eine Power aus Wut und Hilfslosigkeit. Und eine Power aus der Liebe! Jedes Mal könnte sich meine Stimme überschlagen und ich könnte schreien. Ich will zu ihm zurück. Aber würde er mich noch mal betrügen?
„Andreeeaa??? Spielst du überhaupt noch mit? Du sagst ja gar nichts mehr!“ kam es jetzt von Katia. „Ja doch, ich musste nur über etwas nachdenken. Tschuldigung!“ Mille starrte mich an und fragte dann: „Etwa wieder über…IHN?“ Ich wich ihrem Gesicht aus. Mille stöhnte „ Oh Andrea! Was soll denn das? Der Typ hat keinen einzigen Gedanken von dir verdient. Er ist ein Arsch! Das weißt du doch!“
Katia schaute zu Boden und wurde rot. So wie jedes Mal, wenn wir über dieses Thema sprachen. Wahrscheinlich war es ihr peinlich, weil Martin mich mit IHR betrogen hatte! Sie wusste ja nicht, das ich mit ihm ging. Jetzt saßen wir beide da und starrten beide auf den Boden! Mille stöhnte wieder, sprang dann aber auf und rief: “Kommt, ich lad euch beide jetzt auf ein Eis ein. Los!“ Sie war halt ein Optimist! Katia hob sich vom Boden und holte ihre Jacke. Sie wirkte erleichtert. Wahrscheinlich, weil wir nun das Thema wechselten.
Nachdem ich mit Martin Schluss gemacht hatte, bin ich ihm nur noch einmal in der Schule begegnet. Diese Begegnung bestand darin, dass wir voreinander standen und uns anschwiegen. Als er nach einer Minute dann endlich seinen Mund aufmachte um etwas zu sagen, ging ich einfach weg. Ich wollte seine Ausrede nicht hören. Ich wollte auch seine Stimme nicht hören. Seine dunkle, klare Stimme. Das hätte ich nicht ausgehalten. Als wir jetzt aber an der Eisdiele ankamen, saß er doch tatsächlich zusammen mit einem anderen Mädchen an einem der Tische. An unserem Tisch – dem Tisch, an dem ich mit ihm auch gesessen hatte Damals beim ersten Treffen. Ok wir saßen da nur einmal da, aber trotzdem. Hatt das denn gar nichts zu bedeuten? Ich stupste Mille in ihre Seite und deutete auf seinen Tisch. Sie stöhnte, jetzt schon das dritte Mal. „ Na super, hat man denn nirgends seine Ruhe vor diesem Typen? Als auch Katia ihn bemerkte verschluckte sie sich, ihr Gesicht lief sofort rot an. Hilflos guckte sie in alle möglichen Richtung, achtete aber sorgfältig darauf, nicht auf unsere Blicke zu treffen. Ich lächelte sie schwach an „Ach Katia, du kannst doch nichts dafür, dass er mich ausgerechnet mit dir betrogen hat. Du wusstest doch gar nicht, dass ich mit ihm zusammen war. Also sei doch endlich nicht mehr immer so beschämt, wenn wir auf das Thema zu sprechen kommen.“ Katia lächelte. Es war aber ehr ein gezwungenes Lächeln. Dann presste sich noch ein leises “Ok!“ heraus. Langsam schlenderten wir zum Tresen. Als wir bei Martin und seiner neuen Freundin vorbei gingen, hakte ich mich bei Katia ein. Er sollte bloß nicht glauben, dass unsere Freundschaft jetzt wegen ihm kaputt gegangen ist. Den Gefallen tue ich ihm nicht. Als er mich bemerkte, erschrak er. Sein Blick wanderte zu seiner Freundin. Dann zu mir. Katia beachtete er gar nicht. Ich warf ihm einen bösen Blick zu, drehte meinen Kopf wieder in Richtung Tresen und stolzierte davon. Ein würdevoller Abgang.
Mille bestellte uns drei Eis. Meine Stimmung war jetzt auf dem untersten Gefrierpunkt. Meine Hände zitterten, meine Beine waren weich. Am liebsten wäre ich jetzt in Tränen ausgebrochen. Aber das konnte ich nicht. Nicht hier und nicht jetzt. Nicht vor IHM! Katia bemerkte meinen Zustand und warf mir einen gequälten Blick zu, dann zu Mille und schließlich zu Martin! Mille nahm mich um die Schulter und führte mich raus. „Mensch Leute, so kann das hier jetzt aber echt nicht weiter gehen. Ihr könnt doch nicht beide in Tränen ausbrechen wenn ihr diesen Arsch seht!“
Katia ging zu einer Mauer und setzte sich. Ihr Blick war auf den kiesbelegten Gehweg gerichtet. Ich sah ihr an, dass sie etwas bedrückte und ich wusste genau was! „Du bist auch in ihn verliebt! Deshalb reagierst du auch immer so komisch, wenn wir auf ihn zu sprechen kommen!“ Katia hob ihren Blick vom Boden und starte mich lange an. Dann seufzte sie „ Schön wärs! Ich glaube ich muss euch etwas sagen!“ Mille und ich schauten uns an. Dann sahen wir beide erwartungsvoll zu Katia rüber. Und dann sagte sie: „Ich hatte gar nichts mit Martin! Ich kenne ihn noch nicht ein Mal richtig! Das Foto von ihm habe ich nur von einer Freundin! Sie sagte, den kennt eh niemand von euch. Ich wollte bei diesem ganzen scheiß Club nur unbedingt mitmachen, damit ihr nicht auf falsche Gedanken kommt, weil ich solange schon keinen Freund mehr hatte. Dabei verheimliche ich euch schon lange einen wichtigen Menschen in meinem Leben. Ich bin nämlich wirklich verliebt!“ Sie hielt die Luft an. Sie hatte das eben alles einfach so runter gespult, als wenn sie das schon Tage lang geübt hätte.
In mir kam eine riesen Wut auf. Am liebsten hätte ich ihr jetzt eine geklatscht. Aber nein! Nicht noch einmal! Sie wusste genau, wie sehr ich Martin liebte und wie ich mich durch die letzte Woche quälen musste – und trotzdem blieb sie stumm! Was für eine Freundin. Nein Danke, darauf kann ich verzichten. Ich wollte gerade Luft holen, um sie anzuschreien und ihr die Freundschaft zu kündigen, als Mille mir schon ins Wort viel. “In wen denn? Mit wem bist du zusammen?“ Katia seufzte. Dann schaute sie wieder zu Boden. „SIE heißt Charlotte! Ich bin lesbisch!“
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