Nach dem Katia sich geoutet hatte, wusste ich nicht so Recht was ich tun sollte?! Sollte ich auf sie sauer sein? Sollte ich sie in den Arm nehmen und jetzt für sie da sein? Oder sollte ich mich vielleicht vor ihr ekeln? Ich hatte so eine Wut in mir. Sie brannte von meinen Fußspitzen bis in meine letzte Haarspitze durch meinen ganzen Körper. Es war hinterhältig von ihr, mich leiden zu lassen! Und ich wollte das sie auch litt! Aber vielleicht litt sie ja schon? Vielleicht litt sie ja schon viel länger als ich?! Wieso gibt es kein Handbuch, wie „ Was tun, wenn meine Freundin lesbisch wird und dich dabei belügt?“
In mir war aber nicht nur Wut, nein nach dem Katia die ersten Worte aussprach, machte mein Herz gleichzeitig auch einen kleinen Spruch. Martin war nicht fremd gegangen! Nicht mit meiner Freundin und auch nicht mit irgendeiner anderen. Aber wer war das da in der Eisdiele bei ihm am Tisch? Ich konnte jetzt nicht einfach da rein gehen und sagen, dass war alles nur ein riesen Missverständnis! Nicht vor seiner neuen Freundin. Vielleicht hat er mich dann ja aber auch gar nicht richtig geliebt, wenn er jetzt eh schon einen Ersatz für mich gefunden hat. „Andrea?!“ Ich schrak auf. Mille wedelte mit ihrer Hand vor meinem Gesicht. Als hätten sie mich schon öfters gerufen. Na ja es klang aber auch sehr ungeduldig. War ich etwa so in meinen Gedanken vertieft? Ich schaute Katia jetzt direkt ins Gesicht. Ihr tat es leid, dass konnte ich sehen. In ihren Augen schimmerte Zweifel und Traurigkeit mit. Auch das konnte ich genau erkennen. Ich musste Zeit gewinnen. Ich wusste nicht, wie ich mit dieser Situation klar kommen sollte. Ich wusste nicht, ob ich ihr jetzt einfach so verzeihen konnte. Es war alles so verwirrend. „Andrea…Es tut mir alles so…“ setzte Katia an, aber weiter kam sie nicht, denn ich schnitt ihr das Wort ab. „Nein, ich will das nicht hören! Nicht jetzt und nicht hier! Es tut mir leid für dich, dass du uns nicht vertrauen kannst. Das du uns nicht erzählen konntest was in dir vorgeht. Weißt du, ich bin so unglaublich sauer auf dich! Aber ich weiß nicht, ob ich es wirklich sein kann…und darf“ Aus ihren Augen rollte eine Träne übers Gesicht „Aber ich brauch jetzt erst einmal Zeit für mich. Ich muss nachdenken. Über dich und über Martin und über das Mädchen mit dem Martin gerade da drinnen sitzt.“ Damit drehte ich mich um und ging weg. Mille, total geschockt was da gerade abging, blieb zusammen mit Katia zurück. Sie machte Anstalten, mit hinterher zu rennen, lies es dann aber doch sein. Und das war auch besser so. Ich wollte jetzt alleine sein.
Ich saß auf einer Parkbank ca. Hundert Meter weiter von der Eisdiele. Ich wusste nicht, was ich hier wollte. Eigentlich war mir gerade gar nicht nach Nachdenken. Aber Katia erwartete eine Reaktion, ob ich sauer war oder nicht. Aber das wusste ich selbst nicht genau. Natürlich war ich sauer – aber auf eine andere Art. Es gab genau zwei Möglichkeiten. Die eine wäre, einfach auf sie sauer zu sein, nicht mehr mit ihr zu reden und sie zu meiner Ex-Freundin zu machen. Die zweite Möglichkeit war, eine gute Freundin zu sein. Ihr zu vergeben und ihr bei ihrem Outing beizustehen, ihr die Hand zu halten und einfach für sie da zu sein. Ich fand beide Varianten blöd, also entschied ich mich für die Dritte…
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